Lochhausener Singkreis
Swahili: Verben
2024-01-14

Eine Schwierigkeit beim Singen von Liedern in Swahili sind die mitunter recht langen Wörter aus vielen kurzen Silben, die man schnell erfassen muss, besonders wenn sie nicht silbenweise unter den Noten stehen. Meist sind das Formen von Tätigkeitswörtern (Verben), in die viel Information hineingepackt ist, die in anderen Sprachen separate Wörter gewesen wären. Wenn man einmal gesehen hat, wie sie zusammengesetzt sind, kann man sie sich vielleicht leichter merken, auch ohne dass man die Regeln vollständig lernt.

Ist das schwierig?

Die Verbformen in Swahili werden aus einem Baukasten kleiner Silben zusammengesetzt. Schwierig ist, dass so viele Teile im Baukasten sind und dass die verschiedenen Teile manchmal verschieden zusammengebaut werden müssen, damit sie zusammenpassen. Leicht ist, dass das für alle Verben gleich ist: verschiedene Konjugationen oder unregelmäßige Verben gibts nicht. Viel leichter als Deutsch oder Französisch ist es allemal.

Jetzt geht’s los

Die Grundform des Verbs allein ist meist ein- bis viersilbig und endet mit -a, wenn es kein Fremdwort ist. Dann treten aber praktisch immer Vorsilben dazu und gelegentlich auch zusätzliche Endungen, so dass die ganzen Wörter oft vielsilbig werden:

Die Grundformen der Verben in den Beispielen sind:

Zwei dieser Wörter sind das Passiv des vorangegangenen Wortes. Der Strich vor jedem Wort deutet an, dass da noch die Vorsilben fehlen. Das ku oder kw vor dem Verbstamm bedeutet, dass bei diesen Verben in manchen Formen vor dem Verbstamm ku- oder kw- eingefügt wird – die Regel dazu lernen wir jetzt aber nicht.

In den Tabellen mit Beispielen werden die Verbformen mit einem Punkt in halber Höhe in die Teile gegliedert, aus denen das Wort aufgebaut ist, die „Morpheme“. Am Wortanfang sind dabei die Morphemgrenzen oft, aber nicht immer, auch Silbengrenzen. In der allerersten Tabelle stehen zwei Übersetzungen: zuerst Stück für Stück jedes Morphem in ein Wort, danach der Sinn. Diese Stück-für-Stück-Übersetzung sparen wir uns danach.

Bitten und Wünsche

Bitten und Wünsche haben relativ einfache Verbformen. Am Anfang stehen Subjekt und gegebenenfalls Objekt.

Subj. ni- (ich)u- (du)a- (er/sie) tu- (wir)m- (ihr)wa- (sie)
Obj. ni- (mich)ku- (dich)m- (ihn/sie) tu- (uns)wa- (euch)wa- (sie)

Am Ende steht das Verb, bei dem die Endung -a durch -e ersetzt ist. Dieses -e wird in der Stück-für-Stück-Übersetzung mit „sollte“ (im Sinne von „es sollte/möge geschehen“) wiedergegeben. – Eine Verneinung wird durch eine zusätzliche Silbe si- nach dem Subjekt, also vor Objekt oder Verbstamm, ausgedrückt.

tu·imb·ewir singen solltensingen wir!
mw·imb·eihr singen solltetsingt!
u·ni·saidi·edu mir helfen solltesthilf mir!
a·j·eer/sie kommen solltemöge er/sie kommen!
tw·end·ewir gehen solltengehen wir!
tu·m·tukuz·ewir ihn/sie ehren solltenehren wir ihn/sie!
a·tukuz·w·eer/sie geehrt werden sollteer/sie werde geehrt!
u·ka·edu bleiben solltestbleib! setz dich!
u·tu·p·e …du uns geben solltest …gib uns … !
u·tu·oko·edu uns retten solltestrette uns!
m·si·ogop·eihr nicht euch-fürchten solltetfürchtet euch nicht!

Eine Vorsilbe m- wird in beiden Bedeutungen („ihr“ und „ihn/sie“) durch mw- ersetzt, wenn ein Vokal folgt. Das mw- bildet dann zusammen mit dem Vokal nur eine Silbe: tu-i-mbe, aber mwi-mbe mit einer Silbe weniger.

Bei Bitten kann man auch auf die Subjektsilbe verzichten; das sind dann eher Befehle oder sehr dringende Bitten. Wenn sie sich an mehrere Personen richten, wird oft die Silbe -ni angehängt.

Aussagesätze

Aussagesätze macht man, indem man dem Wort die normale Endung, meist -a, gibt und nach dem Subjekt die Zeit einfügt: me- = Perfekt (Vergangenheit, noch aktuell), na- = Gegenwart, li- = Präteritum (Erzähl-Vergangenheit), ta- = Zukunft, sowie eine Reihe weiterer. Verneinte Sätze werden je nach Zeitstufe verschieden gebildet. Dafür gibts hier nur drei Beispiele in der Gegenwart: mit der Vorsilbe ha-, keiner Zeitsilbe und der Endung auf -i statt -a; dabei wird ha- mit den Vorsilben der Einzahl zusammengezogen: si- (ich nicht), hu- (du nicht), ha- (er/sie nicht).

Die Zeitsilbe a- bezeichnet keine bestimmte Zeit. Sie wird verwendet, wenn etwas zur Zeit ständig zutrifft. Vor a- verschwindet der Vokal der Subjektsilbe: ni·a→n·a, u·a→w·a, a·a→a, tu·a→tw·a, unverändert mw·a, wa·a→w·a.

tu·na·imb·awir singen (jetzt)
tw·a·imb·awir singen (ständig, immer wieder)
ha·tu·imb·iwir singen nicht
tu·me·imb·awir haben gesungen (jetzt eben)
tu·li·imb·awir sangen (irgendwann früher)
tu·ta·imb·awir werden singen
n·a·ku·pend·aich liebe dich (ständig)
w·a·ni·pend·adu liebst mich; sie lieben mich (ständig)
u·me·ni·saidi·adu hast mir geholfen (mit Wirkung für jetzt)
u·li·ni·saidi·adu halfest mir (irgendwann früher)
m·na·ni·saidi·aihr helft mir
tu·na·ku·j·awir kommen
tu·me·m·tukuz·awir haben ihn/sie geehrt
a·me·tukuz·w·aer/sie ist geehrt worden
u·me·ka·adu bist geblieben; du hast dich gesetzt
a·na·tu·p·a …er/sie gibt uns …
ni·na·mw·oko·aich rette ihn/sie
m·me·tu·oko·aihr habt uns gerettet
tu·me·oko·lew·awir sind gerettet worden
ha·mw·ogop·iihr fürchtet euch nicht
si·ogop·iich fürchte mich nicht

Weitere Zeiten, Verneinung

Wir haben oben vier Zeiten beschrieben sowie kurz auch die gemeinsame Verneinung der beiden Gegenwartsformen, also fünf von insgesamt etwa zwanzig Kombinationen von Vorsilben – Subjekt- und Objektsilbe dabei nicht mitgezählt. Da gibt es relative Zeiten (Bedeutung: „gleichzeitig“, „daraufhin“), Konjunktive („täte“, „hätte getan“) und manches andere. Aber das alles hier zu beschreiben, lohnt sich nicht, weil es in Liedern nicht so oft vorkommt, dass man es sich merken muss. Eine vollständige Liste der Formen findet man in der Swahili-Fibel. Nicht zum Lernen (und falls doch, dann richtig!), sondern um auch einmal eine rätselhafte Verbform entschlüsseln zu können.

Gemeinsam ist allen diesen Verbformen, dass eine Objektsilbe, wenn es sie gibt, immer direkt vor dem Verbstamm steht, während andere Teile verschiedene Orte haben können, wo sie je nach dem Rest des Wortes hingehören.

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